Der bilaterale Weg ist unser Weg
Azmoos, 24.08.2010
eingeordnet in: Aussenpolitik,
Aussenpolitik
Die FDP will wie der Bundesrat den bewährten Bilateralen Weg weitergehen
Kritik an der abweichenden Botschaft von Aussenministerin Calmy-Rey
FDP.Die Liberalen begrüsst den Entscheid des Bundesrats, weiterhin auf die erfolgreichen Bilateralen Verträge zu setzen. Sie haben der Schweiz in den vergangenen Jahren wirtschaftliche Prosperität und Austausch mit dem europäischen Ausland gebracht – ohne dass wir unsere Souveränität hätten aufgeben müssen. Das Schweizer Stimmvolk hat diesen Weg in mehreren Abstimmungen bestätigt. Die FDP hat die Bilateralen in den vergangenen 15 Jahren massgeblich mitgeprägt und gegen isolationistische Kräfte verteidigt. Die Unkenrufe in den vergangenen Wochen, der bilaterale Weg sei am Ende angelangt, sind falsch. Die Schweiz ist dank einer verantwortungsvollen Finanzpolitik und guten Standortbedingungen nach der Wirtschaftskrise stark und stabil aufgestellt. Sie kann aus einer Position der Stärke mit der EU Verhandlungen über zukünftige bilaterale Abkommen führen. Die Schweiz ist nach den USA der zweitgrösste Handelspartner der EU und stösst deshalb auf offene Ohren. Der Bilaterale Weg ist bewährt und auch für die Zukunft erfolgsversprechend. Europapolitische Abenteuer lehnt die FDP.Die Liberalen ab. Sie bedauert deshalb, dass Aussenministerin Calmy-Rey an der Medienkonferenz in Diskrepanz zum Gesamtbundesrat von einem möglichen EWR- oder EU-Beitritt sprach und damit Verwirrung stiftete.
Bundespräsidentin Doris Leuthard sprach in Vertretung des Gremiums von einem klaren Bekenntnis zum Bilateralen Weg in den nächsten 10-20 Jahren und erteilte dem EWR-Beitritt damit eine Absage. Die Aussenministerin wich hingegen deutlich von diesem Kurs ab. Sie schien bewusst den wünschenswerten Spielraum viel weiter zu fassen – nämlich Richtung EWR- oder EU-Beitritt. Die FDP ist enttäuscht, dass der Bundesrat gegen Aussen nicht geschlossen auftritt und damit die Schweizer Verhandlungsposition schwächt. Die Medienkonferenz hat gezeigt, dass europapolitische Alternativen wie der EWR oder ein Rahmenabkommen äusserst diffuse Begriffe sind. Jede Weiterentwicklung des Bilateralen Weges verlangt selbstverständlich zwingend eine vertiefte periodische Abklärung von Vor- und Nachteilen, wobei auch theoretische Alternativen wie EWR und Rahmenabkommen nicht ignoriert werden sollen. Heute zeigt sich aber, dass der Rahmen für die Arbeitsgruppe noch ungenügend geklärt ist. Jetzt ist nicht die Zeit, um über Rahmenabkommen zu verhandeln.
Die Parteileitung der FDP.Die Liberalen hat sich in der Vergangenheit wiederholt gegen einen EU-Beitritt ausgesprochen. Die FDP wird an ihrer Delegiertenversammlung im Oktober eine Strategie zur Rolle der Schweiz in einer globalisierten Welt verabschieden. Teil dieser Strategie ist die Bestätigung der bewährten bilateralen Politik mit der EU. Im Weiteren fordert die FDP die forcierte wirtschaftliche Öffnung gegenüber aufstrebenden Ländern v.a. Asiens, wo die Märkte der Zukunft liegen.
Die FDP unterstützt die Ansicht des Bundesrats, dass der Dialog zu EU-Steuerfragen zuerst eine interne Abklärung voraussetzt. Wegen der EU-Schuldenkrise werden die europäischen Finanzminister in den kommenden Jahren ‚innovativ‘ neue Steuern erheben. Die Steuersituation in den EU-Ländern wird künftig schlechter, während sie sich in der Schweiz dank Schuldenbremse und guter Finanzpolitik eher verbessert. Zentral ist deshalb, dass wir unser Steuersystem autonom vereinfachen, die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Angriffsfläche gegenüber der EU vermindern.
Nationalrat Fulvio Pelli, Präsident FDP.Die Liberalen, betont:
„Statt ohne Grund europapolitische Abenteuer zu lancieren, hat der Bundesrat die Fortsetzung des erfolgreichen bilateralen Wegs beschlossen. FDP.Die Liberalen setzt sich seit Jahren für diese Strategie ein. Irritierend ist die abweichende Haltung von Aussenministerin Calmy-Rey. In dieser wichtigen Frage muss der Bundesrat geeint auftreten – Sololäufe stiften nur Verwirrung.“
Kontakte:
› Nationalrat Fulvio Pelli, Präsident FDP.Die Liberalen, 079 230 02 03
› Nationalrätin Gabi Huber, Präsidentin FDP-Liberale Fraktion, 076 331 86 88
› Nationalrat Walter Müller, APK-Leader FDP-Liberale Fraktion, 079 229 73 10
› Noé Blancpain, Kommunikationschef, 078 748 61 63
NewsService FDP
Eine Dienstleistung der FDP.Die Liberalen für Sie.
FDP.Die Liberalen, Generalsekretariat, Neuengasse 20, Postfach 6136, CH-3001 Bern
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Mehr Wirkung in der Aussenpolitik
Azmoos, 22.08.2010
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bilateraler Königsweg
Artikel im St. Galler Tagblatt
Walter Müller ist mit der Aussenpolitik des Bundesrates nicht zufrieden. Der St. Galler Aussenpolitiker fordert mehr Strategie und Kohärenz – und stösst damit selbst bei der Regierung auf offene Ohren.
Jürg Ackermann/Bern
Wenn sich Walter Müller im Parlament zu Wort meldet, dann meist zu zwei Themen: Sicherheits- und Aussenpolitik. Die Beziehungen der Schweiz zum Ausland beschäftigen den Rheintaler Gemüsebauer und Nationalrat auch in diesen Tagen.
Die Schweiz sei im Wettbewerb zwischen den Staaten zu wenig gut aufgestellt. Sie müsse ihre Interessen vehementer vertreten, denn auf dem internationalen Parket werde zunehmend mit Ellbogen gekämpft, sagt Müller. Seine Sorgen hat er in einer Motion formuliert, welcher der Bundesrat letzte Woche zugestimmt hat.
„Wir haben es nach dem Ende des Kalten Krieges verschlafen, eine starke Aussenpolitik aufzugleisen“, sagt Müller im Gespräch. Die Konsequenz: Die Aussenpolitik der Schweiz ist aus Sicht des FDP-Nationalrats nicht das Produkt einer einheitlichen Strategie, sondern verzettelter Massnahmen. Der St. Galler Nationalrat begründet diese These mit aktuellen Beispielen wie der Libyen-Krise, dem Steuerstreit mit der EU oder den Auseinandersetzungen mit den USA. Hier zeige sich, dass die Schweiz zu wenig gut vernetzt sei. Zwar würden die Schweizer Diplomaten in der Welt gute Arbeit leisten, die Informationen würden aber nicht „entscheidungsrelevant“ im Bundesrat gebündelt, wie jüngst auch der GPK-Bericht zum Steuer- und Bankgeheimnis-Streit mit den USA gezeigt habe.
„Die Reisen der einzelnen Bundesräte müssen dringend aufeinander abgestimmt haben“, fordert Müller. Der bilaterale Weg mit der EU müsse genauer definiert werden, die Beziehungen und Vertretungen in aufstrebenden Wirtschaftsregionen wie Asien oder Südamerika solle gestärkt werden, die „aussenpolitische Zusammenarbeit“ zwischen den Departementen sei mangelhaft. Die aussenpolitischen Absichtserklärungen des Bundesrates und die gelebte Praxis klaffen gemäss Müller nach wie vor weit auseindander.
Kürzlich hat sich auch der Bundesrat mit seinem Vorstoss beschäftigt. Seines Erachtens sind Müllers Forderungen schon weitgehend Realität. Der Bundesrat betreibe bereits heute eine strategisch ausgerichtete und kohärente Aussenpolitik, hält die Regierung in ihrer Antwort fest. Sie trage den Machtverschiebungen auf der Welt Rechnung: So führte der Wirtschaftsaufschwung in China und Indien dazu, dass der Westen generell seine starke Rolle in der Weltpolitik verlor. Zusätzlich hat das Ende des Ost-West-Konfliktes der früheren Rolle der Neutralen und Blockfreien die Grundlage entzogen. Ein zweiter Faktor hat die Stellung der Schweiz noch stärker geschwächt. Die EU hat sich mit der Mitgliedschaft von nunmehr fast allen europäischen Staaten zu einem weltpolitischen Akteur entwickelt. Die fehlende Einbindung der Schweiz wirkt sich auf allen Gebieten unserer Aussenbeziehungen aus. Der Bundesrat kam in seinem aussenpolitischen Bericht denn auch zum Schluss, dass „unser Land aufs Engste mit dem Schicksal Europas verbunden» sei. Die Schweiz müsse ihre Beziehungen zur EU ausdehnen und konsolidieren, aber nicht um jeden Preis. Denn es gelte auch starke Standbeine ausserhalb des Kontinents aufzubauen, schreibt der Bundesrat.

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Verlorene Politik - oder die nie gefundene!
Azmoos, 23.12.2009
eingeordnet in: Aussenpolitik,
Aussenpolitik,
Wirtschaft
Verlorene Politik, oder die nie gefundene!
Hat die Schweiz keine Aussenpolitik? Die Schweiz von 1848 ist von innen her entstanden und gewachsen. Das Modell Schweiz war erfolgreich in einer Zeit, in der mit harter Arbeit, Bildung und Pioniergeist im eigenen Land die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gesteigert werden konnte. Der Staat hat mit seiner liberalen vom Freisinn geprägten Politik privates Unternehmertum in einer Zeit gefördert, als andere Staaten mit ihren Reformen noch weit zurücklagen.
In der Folge entwickelte sich eine von aussen nachgefragte Aussenpolitik. Unsere guten Dienste, die Neutralität, der wirtschaftliche Erfolg und vielleicht auch ein wenig unsere Bescheidenheit machten eigentlich eine aktive und selbst gesteuerte Aussenpolitik überflüssig.
Vernebelte Sicht auf die Welt
Heute entpuppt sich das immer mehr als schwerwiegendes Defizit. Wie konnte es soweit kommen? Privilegiert während dem 2. Weltkrieg und wohlbehütet in der Nachkriegszeit bis weit hinein in die Zeit des kalten Krieges, hat uns die Sicht auf die Veränderungen in der Welt vernebelt. Seit Beginn der 90er Jahre, nicht zuletzt mit dem Mauerfall, hat sich ein aussenpolitisches Defizit entwickelt, das mit der Finanz- und Wirtschaftskrise so ziemlich brutal an die Oberfläche geschwemmt wurde.
Die schweizerische Aussenpolitik hat eine wesentliche Tatsache verkannt. Die Globalisierung hat nicht nur den Wettbewerb für die Unternehmungen massiv verstärkt, sondern auch den Wettbewerb unter den Staaten verschärft. Neue Wirtschaftsmächte sind entstanden und im Osten von Europa entstand neue Konkurrenz . Die Schweiz hat nicht geschlafen, aber geträumt. Das ist eigentlich noch schlimmer. Unsere Aussenpolitik wollte die Realitäten nicht erkennen oder ganz bewusst ignorieren. Es ist ja schön und edel von einer heilen Welt zu träumen, aber davon kann unsere Wirtschaft dem Volk nicht den Tisch decken. Unsere Positionen wurden in einer immer härteren Welt nicht genügend vertreten. Das führte auch dazu, dass wir den Angriff auf unsere Positionen in der Finanz- und Steuerpolitik verkannten oder zumindest zu spät realisierten. Die Schweiz wurde durch dieses Defizit in eine Orientierungskrise – die zwar noch nicht so richtig erkannt oder akzeptiert wird – aber doch zunehmende innen- und aussenpolitische Wirkung erzielt.
Mit Reformen vorankommen
Heute sind wir gegenüber der Gründungszeit des modernen Bundesstaates gerade in einer völlig umgekehrten Situation. Wir müssen unsere aussenpolitische Situation klären, damit wir innenpolitisch wieder rasch mit Reformen vorwärts kommen. Im Zentrum steht die Positionierung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft. Wir haben uns für den bilateralen Weg entschieden und sollten diesen auch konsequent weitergehen.
Die Kontakte pflegen
In diesem Sinn ist es auch völlig falsch, wenn das Aussendepartement die diplomatischen Ressourcen in den europäischen Staaten zurückfahren will. Unsere Beziehungen zu den europäische Staaten müssen in Paris, Berlin, London oder Rom, um nur einige zu nennen, gepflegt werden. Die Staatsbesuche von europäischen Präsidenten sind selten geworden. Das ist zu ändern. Verbündete zu haben in Europa und weltweit ist dringender denn je!
Walter Müller, Nationalrat FDP, Azmoos

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