Nahe beim Kunden ist unser Erfolgsrezept

«Wir bleiben weiterhin eigenständig» Die Landi Wartau setzt ihre 133-jährige Geschichte fort und will ihre Zukunft weiterhin alleine bestimmen. Thomas Schwizer «Wer Mitglied und Teilhaber einer Genossenschaft ist, hat eine nähere Bindung zum Unternehmen »: Davon ist Walter Müller überzeugt. Er ist seit 1995 Präsident der Landi Wartau, welche seit der Gründung im Jahr 1886 als Genossenschaft organisiert ist. Die Genossenschafter sind Mitglieder und Teilhaber der Landi Wartau. Und die Landi Wartau werde auch in Zukunft eine eigenständige Genossenschaft bleiben, betont Müller im Gespräch mit dem W&O. Damit geht die Landi Wartau einen anderen Weg als die Landi Buchs AG. Sie gehört der Laveba (ex-LV St. Gallen) und schliesst ihre Geschäftstätigkeiten auf den 1. 1. 2010 mit der Konsumgenossenschaft Gams zusammen (W&O vom 3. Juli 2019). Das neue Unternehmen wird als Landi Werdenberg AG firmieren. Die Landi Wartau war gemäss ihrem Präsidenten Walter Müller und Geschäftsführer Hansmartin Bartholet über diesen Zusammenschluss nicht informiert. Das stört sie aber nicht. Mühe bekunden sie dagegen mit der Bezeichnung «Landi Werdenberg» für die neue AG. Davon wurden sie als langjährige Geschäftspartner des LV St. Gallen überrascht. «Die Region Werdenberg ist auch unser Marktgebiet» Die Landi Wartau gehöre ja auch zu dieser Region. «Wir sind gemäss Statuten die Landi Wartau und Umgebung, zu der ja auch Teile der Region Werdenberg gehören», betont Walter Müller. Das natürlich gewachsene Marktgebiet umfasse neben der Gemeinde Wartau traditionell auch Sevelen, Teile des Sarganserlands und des Fürstentums Liechtenstein. Das zeige auch die Herkunft der Kundschaft, die man bedienen dürfe. Die Landi Wartau verzeichnet heute knapp 300 Genossenschafter aus diesem Einzugsgebiet. Der Genossenschaftsgedanke und die damit verbundene breite Abstützung in der Bevölkerung sei ein Erfolg, weshalb die Landi Wartau an der vollständigen Eigenständigkeit festhalte, sagt Walter Müller. Das Motto «nahe bei der Basis» bezeichnet Hansmartin Bartholet als ein Erfolgsrezept. Im Vorfeld der Realisierung des am 1.Juli 2010 eröffneten Neubaus im Gebiet Fährhütte konnte die Landi Wartau zahlreiche neue Genossenschafter gewinnen, vor allem auch aus nicht-bäuerlichen Kreisen. Der 1998 umgebaute alte Standort beim Bahnhof in Trübbach platzte damals aus allen Nähten. Es herrschte akuter Platzmangel, wie Walter Müller sagt. «Die Finanzierung war damals eine Herausforderung», blickt er auf diese Zeit zurück. «Dank der Zeichnung neuer Anteilscheine, privater Darlehen und einem Bankkredit konnten wir den Neubau mit Gebäudekosten von rund 5 Millionen Franken aus eigener Kraft realisieren.» Kundenkreis erweitert, Umsatz gesteigert In den 1990er-Jahren konnte die Landi Wartau ihren Kundenkreis zunehmend weit über die ursprüngliche Zielgruppe Landwirtschaft hinaus erweitern. Das war auch der stetigen Sortimentserweiterung und steigenden Marktpräsenz der Landi-Läden zu verdanken, stellt Hansmartin Bartholet fest. Der LV St. Gallen habe diese initiiert, die Landi Wartau habe sie mitgetragen. Heute sei die Nachfrage in den erweiterten Bereichen Pflanzen/Garten und Do It sowie im stark ausgebauten Getränkemarkt gross. Dank einem stetig steigendem Umsatz konnte ein bedeutender Teil der Hypothek und der Darlehen für den 2010 eröffneten Neubau bereits getilgt werden. Bartholet zeigt auf, wie positiv sich der Umsatz der Landi Wartau entwickelt hat. 1998, noch am Standort beim Bahnhof Trübbach, wurde ein Umsatz von 4,5 Millionen Franken erzielt. Im Geschäftsjahr 2017/18 erwirtschafteten 16 Mitarbeitende (inklusive zwei Lernende und «Teilzeitler») am Standort Fährhütte 10,5 Millionen. Der Umsatz hat sich also innert 20 Jahren mehr als verdoppelt. Und er legt tendenziell weiter zu, sagt der Geschäftsleiter, der die Landi Wartau bereits seit 1995 operativ führt. Dazu habe sicher auch der neue Standort mit den grosszügigen Ladenund Lagerräumen beigetragen, der für Kunden aus der Umgebung von der Autobahn aus ideal erreichbar ist. Auch für die Lieferfahrzeuge sei der heutige Standort ideal. Der Laden generiere heute rund 60 Prozent des Umsatzes, der Bereich Landwirtschaft sowie der Brenn- und Treibstoffhandel je 20 Prozent. Selbstständige Landi- Genossenschaften sind rar Die Landi Wartau war 1886 eine der ersten Landwirtschaftlichen Genossenschaften im Kanton St. Gallen. Heute ist sie eine der wenigen noch voll selbstständigen Genossenschaften in diesem Gebiet. Walter Müller legt Wert darauf, dass dies weiterhin so bleibt. Er erklärt: «Wir sind an der Laveba beteiligt und nicht umgekehrt.» Die Verantwortlichen der Landi Wartau erachten die Eigenständigkeit ihrer Genossenschaft und ihre Trägerstruktur als Marktvorteil. «Wir sind zwar eine über 130-jährige Genossenschaft, aber jung und dynamisch geblieben», stellen Walter Müller und Hansmartin Bartholet mit Selbstvertrauen fest. «Und das werden wir auch weiterhin sein.» Geschäftsführer Hansmartin Batholet (links) und Präsident Walter Müller im Laden der Landi Wartau ind er Fährhütte in Trübbach: «Wir setzen unser Erfolgsmodell weiter selbstständig um.» Bild: Thomas Schwizer «Die Bezeichnung Landi Werdenberg hat uns überrascht». Walter Müller Präsident Landi Wartau

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